Adams: I was looking at the ceiling and then I saw the sky

VERÖFFENTLICHT:
5. September 2005

Wer es gewohnt ist, Musikstücke eindeutig in Gattungen einzuordnen, wird sich mit dem Phänomen I was looking at the ceiling and then I saw the sky von John Adams schwer tun. Am ehesten nähert man sich ihm wohl an, indem man zunächst einmal abgrenzt, was es alles nicht ist: Zum Beispiel ist es keine Oper. Zwar besteht das Stück ausschließlich aus Musik. Es gibt jedoch keine durchkomponierten Szenen, keinen in Musik gefassten dramatischen Spannungsbogen, wie ihn die Oper auszeichnet, auch und gerade die beiden Opern Nixon in China und The Death of Klinghoffer von John Adams. Wir haben es auch nicht mit jener ernsthaften Musik zu tun, die in einer Oper für gewöhnlich zu erwarten wäre, sondern statt dessen mit einem bunten Reigen populärer Stilrichtungen: Gospel reiht sich an Pop, Jazzballade an Rocknummer, Whitney Houston an Supertramp. Es spielt auch kein Orchester, sondern lediglich - und dazu passend - eine Rockband aus Klarinette, Saxophon, Keyboards, Gitarre, Bass und Schlagzeug.

Handelt es sich also um ein Musical? Vielleicht in gewissem Sinne - aber sicherlich nicht so, wie der Begriff landläufig verstanden wird. Und der sozialkritische Stoff erinnert eher an das engagierte, politische Theater eines Bertold Brecht, das ja auch Songs enthält. Das Neue und Eigenwillige an diesem Song Play ist der Verzicht auf erklärende und verbindende Dialoge, Rezitative oder ähnliches: Wie in einem Liederzyklus - oder einem Popalbum - reihen sich 23 Songs im Fünf-Minuten-Format aneinander. In ihrem Ablauf erzählen sie aber eine Geschichte, bilden ein Stück Theater, also ein Play. Obwohl das Stück also Formelemente aus allen bisherigen Musiktheatergattungen übernimmt, ist das Ergebnis doch etwas Eigenständiges, das es so bisher noch nicht gab.

    
InhaltJohn Adams (1947)
I was looking at the ceiling and then I saw the sky (1995)
Songplay in two acts
Libretto: June Jordan (1936-2002)
 
SolistenMartina Mühlpointner Sopran
Jeanette Friedrich Mezzosopran
Lilith Gardell Mezzosopran
Darius de Haas Tenor
Markus Alexander Neisser Tenor
Jonas Holst Bariton
Kimako Xavier Trotman Bariton
EnsembleBand der Holst-Sinfonietta
Musikalische LeitungKlaus Simon

ProduktionFelix Dreher Tonmeister
Andreas Bertram Tonmeister
Cornelius Bauer Booklettext
LabelNaxos
Online-Shopsjpc.de
amazon.de
prestoclassical.co.uk
itunes.com
classicsonline.com
DownloadsBooklet

 
Rezensionen

„John Adams's stylistic range is vast, yet even in such a diverse output, I Was Looking at the Ceilingand Then I Saw the Sky (1995) stands apart. Conceived, in the composer's words, as 'a Broadwaystyle show', it draws its musical inspiration from popular song, moving from doo-wop to gospel, from pop ballad to the blues. The text, a poetic piece of social and political commentary by June Jordan, introduces us to seven young Angelenos whose intertwined lives are transformed by the 1994 Northridge earthquake. There's no recitative, no spoken dialogue; the story is told through song and ensemble. This posed a problem when Nonesuch issued a composer-conducted recording of excerpts in 1998, cutting seven of the 22 vocal numbers. Here, Naxos gives us the complete score. [...] As for the performance: the Freiburg-based Holst-Sinfonietta Band plays its intricate part with tightly coiled energy for conductor Klaus Simon; the mostly German cast copes reasonably well with the different American dialects [...], all the singers sound fresh and youthful. Indeed, Martina Mühlpointner may not have the extraordinary tonal richness of Audra McDonald (Nonesuch) but her wideeyed rendition of 'Consuelo's Dream' – one of the piece's prettiest and most effective numbers – is also deeply affecting. Not all the songs in Ceiling/Sky are as successful as this one but I'd guess that there's enough here to make this daring experiment in American musical theatre attractive to more than just Adams's fans.“
 
„This Naxos recording of John Adams’s song play, set to a remarkably imaginative libretto by June Jordan, is a complete revelation, showing it to be an undoubted masterpiece, an intriguing amalgam of opera and musical, drawing on all kinds of sources, but in the main extending the style of musical pioneered by Bernstein. It is a true crossover work, and its basic parlando style, laced with set pieces, is all Adam’s own. The work is inspired by the 1994 Californian earthquake. The piece centres on seven everyday characters, all young people from Los Angeles, of varying social and ethnic backgrounds and Adams’s set numbers bring outstanding lyrical inspirations.“
 

Fono Forum

Februar 2006

„Musikalisch ist die Sache hinreißend wie ehedem: Präzise und temporeich agieren die Instrumentalisten, und die musicalerprobten Sänger tun ein Übriges, um Adams' Werk Dramatik und Drive zu verschaffen.“
 

Klassik heute

17. November 2005

„Diese musikalisch großartige Produktion ist so recht dazu geeignet, die vielbeschworenen Berührungsängste zwischen U- und E-Musik abzubauen. John Adams hat mit diesem Songplay 1995 ein Stück Musiktheater geschaffen, das aus 23 Songs in verschiedenen Stilistiken besteht. Den Rahmen bildet eine Immigranten-Liebesgeschichte von sieben Protagonisten aus Los Angeles, angesiedelt irgendwo zwischen Bernsteins West Side Story und Brechts Dreigroschenoper. Die Songs werden von einer opulenten Band begleitet, die die anspruchsvolle Aufgabe hat, Adams durch die ganze Bandbreite des Pop zu folgen, angefangen von psychedelischer Musik der 70er über Soul, Gospel, Rock, Blues, Freejazz, Funk, Bebop und Latin Music bis hin zu einer laut Booklet “gelenkt aleatorischen Improvisation à la Witold Lutoslawski im Rockstyle”. Die Band der Holst Sinfonietta und die Young Opera Company aus Freiburg unter Leitung ihres Gründers und langjährigen Dirigenten Klaus Simon kommen mit der vertrackten Partitur bestens zurecht. Dieses Kammeroper-Ensemble verfügt über ausgezeichnete, frische Sängerinnen und Sänger; alle sieben Partien sind optimal besetzt – musikalisch eine glatte 10.“ Benjamin G. Cohrs

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